Viele wünschen sich ein Tempolimit, da es dann „stressfreier“ auf der Autobahn wäre. Ideologen nutzen dies, um Ihre Meinung zu positionieren. Klima, Krieg oder etwa das Energiesparen werden vorgeschoben.

Ein starres Tempolimit wird nicht genug Energie sparen.
Ein starres Tempolimit hilft in keinerlei Hinsicht der Ukraine.
Ein starres Tempolimit beendet nicht Russlands Krieg.

Es ist wieder so weit. Auf Twitter fordern Aktivisten und auch immer wieder „die Grünen“ ein „Tempolimit“. Diesmal kommt auch die SPD dazu und ein Tempolimit soll der Ukraine helfen. Ein Tempolimit auf den Autobahnen soll die Welt retten. 100 km/h auf der Autobahn, 80 km/h auf der Landstraße und 30 km/h in den Städten sollen den Energiemangel „schnell“ und „einfach“ richten. Doch wie ernst jenen, die das „Energiesparen“ jetzt fordern. Bei einer Tempolimitierung auf deutschen Autobahnen werden auch gerne zusätzliche Argumente wie „Sicherheit & Umweltschutz“ vorgeschoben. Sobald man sich für eine breite Umsetzung der Maßnahmen einsetzt, werden die Ökoaktivisten und sogenannten Umweltschützer, zudem schnell aggressiv und persönlich. Wenn es einem wirklich um „das Energiesparen“ geht, müssten wir doch alle Mobilitätsarten einbeziehen! Oder nicht? Am Boden sind das: Automobil, Lastkraftwagen, Bus, Kleintransporter, Motorräder und auch Schienenfahrzeuge, wie unter anderem der ICE, die Regiobahn oder U- und Straßenbahn. Mobilität in der Luft oder auf dem Wasser gehören auch dazu.

Grundsätzlich gegen Einsparmaßnahmen zu sein, wäre in der aktuellen Lage falsch. Sich gegen eine Mobilitätsform auszusprechen, wäre kurzsichtig und falsch. Wir sollten dafür sein, Mobilität besser und effizienter zu machen. Würde ein Tempolimit auf den Autobahnen wirklich unsere Umwelt retten, den Krieg in der Ukraine beenden. Na dann: Tempolimit sofort! Doch die deutsche Regierung primär angeführt von Angela Merkel, hat uns in eine sehr schwierige Situation gebracht. Wir werden uns auf einen extremen Energiemangel einstellen müssen. Zudem wird Energie teuer. Ich bin dafür, eine zielorientierte Debatte zu führen, die uns wirklich hilft.

Wo wird denn unsere Energie verschwendet?

Fakt 1: Schienenverkehr: Die Deutsche Bahn ist der größte Energieverbraucher. Auch der ÖPNV hat aufgrund des Konzeptes ein Problem. Möglichst viele kurze Stopps und die hohe Taktung sorgen für Ineffizienz. Das veränderte Verhalten in Folge des Coronavirus verstärkt die Effizienzfrage beim ÖPNV. Wir werden den ÖPNV sehr viel besser machen müssen.

Fakt 2: Die Attraktivität und das Zusammenspiel der Mobilitätsformen muss hoch sein. Dafür brauchen wir keine höheren Taktung im oder eine schnellere Verbindung. Wir müssen es für die Nutzer nur einfach, komfortabel und planbar machen! Die Bedürfnisse der jeweiligen Generationen sollten wir berücksichtigen und auch unterscheiden. Aber weniger ausgelastete Verbindungen, die z.B. aufs Land führen, brauchen praktikable Lösungen. Für die höhere Attraktivität werden zusätzliche Angebote wie z.B.: Car-, Ride- und Bikesharing nicht ausreichen. Wir müssen mehr machen.

Fakt 3: Wir müssen die Energieverschwendung bei allen Mobilitätsformen berücksichtigen. Der größte Energieverbraucher in Deutschland ist nun mal die Bahn. Was würde uns eine Limitierung der Geschwindigkeit von Schnellzügen (z.B. ICE) bringen?

Der Energieverbrauch aller Mobilitätsformen verbraucht vorrangig die meiste Energie beim Geschwindigkeitswechsel, bzw. bei der Beschleunigung. Geschwindigkeit halten, ist bis zu ca. 80 km/h die wichtigste Komponente, ab 80 km/h kommt der Luftwiderstand als zweite wichtige Komponente hinzu.

Der ÖPNV bräuchte viel mehr Diversität. Kleine Stadtbusse oder effizientere Schienenfahrzeuge, aber auch viel mehr Kombinationsmöglichkeiten mit Car- oder Bikesharing. Deutschland handelt, Dogmengesteuert. In Deutschland agieren wir eher sozialistisch. Steuergelder werden verprasst. Der Schienenverkehr erhält Milliardenzuschüsse und die Misswirtschaft wird am damit am Laufen gehalten. Das muss sich dringend ändern.

Ein ICE 3 benötigt beim Anfahren so viel Leistung wie ein Städtchen mit 15.000 – 20.000 Einwohnern. Bei dem ICE entfallen bei 200 km/h etwa 40 % der Gesamtenergie. Bei 300 km/h sind es, aufgrund des höheren Luftwiderstands bereits etwa 80 %. Daher müssen wir eine Tempolimitierung bzw. einen Effizienzgewinn auch bei der Bahn thematisieren. Den es geht uns um die Energiereduzierung. Oder etwa nicht?

Das Fahren auf der Autobahn ist einigen zu anstrengend, zu stressig. Doch das ist dann eine andere Debatte. Diese Debatte können wir gerne führen. Insbesondere, da es sicher ist: Fahrzeuge werden dank der Automatisierung in naher Zukunft immer niedrigere Geschwindigkeiten fahren. Denn es kommt nicht auf die Geschwindigkeit alleine an. Planbarkeit und sichere Transportwege, spielen eine viel größere Rolle.

Zumal, heute sind es auf den Autobahnen schon längst viel weniger „Raser“. Viele Fahrer fahren heute schon 130 – 150 km/h auf den unlimitierten Autobahnen-Kilometern und gleichzeitig viel gleichmäßiger. Ein Grund ist, die immer weiter verbreitete Fahrunterstützungen der Abstands- und Spurassistenten. Aber wie zuvor erwähnt, das ist eine andere Debatte.

Auch beim Thema Sicherheit ist es nicht so einfach, wie es scheint. Eine Studie in Dänemark beweist auf Autobahnen: Tempolimit rauf, Unfälle runter! Auf Deutschland Autobahnen ist die größte Gefahr der Stau. Unaufmerksame Fahrer, fahren in den Stau auf. Bei Lkws und Busse bedeutet das, viele schlimme Unfälle. Digitale Anzeigetafeln helfen hier. Jedoch leider nicht 100 %. Natürlich ist das alleine keine „Gegenargument“ zum Tempolimit.  Nein, wir sollten das nur bei unseren Handlungen bedenken.

Die meisten Unfälle auf deutschen Straßen entstehen auf Landstraßen. Wie wir wissen, gibt es dort schon ein Tempolimit. Ursachenforschung betreiben hier schon viele. Allgemein ist ein Treiber, die Tempoüberschreitung. Somit sollten wir alles tun, um die Tempoüberschreitungen zu reduzieren. Gleich vorab. Blitzer helfen hier nachweislich wenig.

Viele gehen bei Mobilität oder Umweltschutz, von sich selber aus. Völlig ignorant und egoistisch. Woher die Produkte kommen oder wie nachhaltig diese sind, das ist vielen scheißegal. Wie andere Menschen leben, das kümmert kaum einen. Sie scheißen auf die Bedürfnisse oder Lebenssituationen anderer. Das ist auch hier der Fall. Den Argumenten der Ökoaktivisten geht auf dieses doch so einfach erscheinende Thema schnell die Luft aus. Es soll einfach schnell etwas für die Umwelt oder für die Sicherheit auf deutschen Straßen getan werden. Die Ökoaktivisten würden schon alles, oder vieles machen. Es sind immer – immer – die anderen schuld. Die Anderen teilen nicht ihre Meinung und dafür seilen sich einige sogar von Brückengeländern auf Autobahnen oder kleben sich auf die Straßen. Sie verurteilen das Automobil als Umweltsau Nummer 1. Diese Haltung polarisiert und verstärkt nur die „gegen“-Haltung. Letztlich wird eine echte und ehrliche Debatte unmöglich.

So auch jetzt. Es geht doch so einfach. Schnell die Schilder mit den Tempolimits anbringen und die Welt wird dadurch etwas besser. Sorry, das wird sie nicht. Den Öko-Egoisten ist egal, was der Umwelt wirklich hilft. Hauptsache, es geschieht nach ihrem Vorbild.

Hier setzt eine große Schwäche unserer deutschen Politik an. Viele nutzen diesen falsch verstandene Lobbyismus, hier ist es eben nur ein Öko-Lobbyismus. Nicht falsch verstehen: Lobbyarbeit ist wichtig, nur sollte man dem gesagten nicht blind vertrauen. Die Und noch mal: Die Deutsche Bahn sagt über sich selbst, sie sei der größte Energieverbraucher Deutschlands. Wenn es dann um den Verbrauch und die Wirtschaftlichkeit an sich geht, werden nur schöne Zahlen vorgelegt. 100 % Ökostrom, geringer Energieverbrauch pro beförderte Person, weniger Klimabelastung. Doch wer sich mit den Statistiken und Zahlen auseinandersetzt, sieht schnell. Ganz so toll ist das Ganze nicht. Wer an Fakten interessiert ist: Wie grün ist die Deutsche Bahn. Auch interessant: Daten und Fakten zum Energieverbrauch des Schienenverkehrs

Aber auch Aktivisten wie z.B. Greta Tunberg tun so, als wären alle anderen schuld. Wir hätten Ihr Ihre Zukunft genommen. Davon sind manche überzeugt. Doch es ist mehr passiert, als sie glauben. Natürlich wäre in den letzten Jahren mehr gegangen. Natürlich haben sich manche Dinge in eine falsche Richtung entwickelt. Doch dann uns vorzuwerfen, wir wären für ihre schlechte Zukunft schuld. Das ist Bullshit. Genau sowenig helfen wir der Ukraine oder bringen damit den Aggressor Putin zum Umdenken.

Wir brauchen kurzfristige Lösungen, um unser Problem zu lösen! Nichts anderes! Wir müssen Energie sparen und mehr eigene  Energie herstellen. Dafür müssen wir die Industrie gleichermaßen zum Sparen verordnen, wie das Energiesparen innerhalb unserer individuellen Mobilität und auch der allgemeinen Logistik umsetzten. Sicher werden wir auch über einen „Autofreien Sonntag“ reden müssen. Doch es müssen alle daran teilnehmen. Und nicht, wie es die Öko-Aktivisten so gerne hätten.

Langfristig brauchen wir Lösungen zur Steigerung der Effizienz. Schiene, ÖPNV, Automobil aber auch Logistiklösungen wie die Letzte Meile müssen im Wettbewerb der Effizienz  beteiligt werden. Gerade hier macht der Staat und die Kommune es sich selbst schwierig. Die Deutsch-Bahn, lokale Straßen und U-Bahnen sowie Buslinienbetreiber werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Subventioniert und ineffizient eingesetzt. Die Zusammenarbeit und Zusammenspiel der Mobilitätsarten werden kaum oder gar nicht berücksichtigt. Schlimmer noch, schlechte Lösungen werden als Gamechanger dargestellt. 

Wenn es Gamechanger gibt, dann ist es das E-Fahrzeug und das automatisierte Fahren. Bei der Kurzstrecke ist ein E-Fahrzeug schon oft effizienter als Bus und Bahn. Bei der Langstrecke wird das automatisierte Fahren uns sicher, effizient und entspannter transportieren als es die Bahn heute kann. Daher bin ich dafür, dass wir dringend den ÖPNV und die Deutsche-Bahn unbedingt besser machen. Das Geschäftsmodell optimieren. Langfristig!

Die Forderung muss heute lauten: Wir wollen eine nachhaltige und sichere Mobilität in unserem Land.
Dafür sollten wir:

1. Geschwindigkeiten gleichmäßig halten und Stopps, Staus und jeden Geschwindigkeitswechsel vermeiden.
2. Den Energieverbrauch aller Mobilitätsangebote sparsam und nachhaltig zu gestalten.
3, Die Energiequellen für unsere Mobilitätsformen nachhaltig / regenerativ hergestellt werden.
4. Die Attraktivität für umweltfreundliche Mobilitätsformen verbessern.
5. Mischverkehr von Konflikten befreien. Unfallrisiko reduzieren, energieeffiziente Mobilität steigern.
6. Eine verständliche Verkehrsführung, Schilder Wahn vermeiden
7. Geschwindigkeiten an die gegebenen Erfordernisse anpassen.
8. Sicherheitsgewinn und Umweltschutzgewinn haben Vorrang
9. Alle Mobilitätsformen einbeziehen.
10. Mobilität muss den Wechsel/Umsteigen zwischen der Mobilitätsformen vereinfachen.

Ah. Halt. Es gibt ja die besagte Studie des Bundesumweltamts. Diese sagt doch eindeutig. Das im Jahre 2018 ca. 1,9 Millionen Tonnen CO₂ reduziert hätte werden können, wenn das Tempolimit auf 130 km/h reduziert wird. Doch Vorsicht: Die Studie wurde anhand der Daten einer Studie aus 1996 und den Daten aus 2019 und 2020 gemeinsam errechnet. 1996! Zwischenzeitlich hat sich viel getan. Die größte Reduktion des Energieverbrauches wurde sowieso durch Effizienzsteigerung erbracht. Nicht durch Limitierungen. Doch, ganz klar. Eine Tempolimitierung würde den Energieverbrauch reduzieren. Die Menge wäre sicher eine ganz andere.

Wir werden über eine Limitierung aus Sicht des Energieverbrauches diskutieren müssen. Die aktuelle Lage um den Russland-Krieg und der hohen Abhängigkeit von diesem Schurken-Staat muss solch eine Diskussion zugelassen werden. Diese sollte jedoch auf alle Transportmittel umgesetzt werden. Ansonsten wird der Effekt des Sparens ausbleiben.

Wenn wir wirklich Energie sparen wollen, limitieren wir alle Mobilitätsformen und nicht nur ein Symbol für das gute Gewissen. Alles andere ist eine verlogene Debatte und verlorene Zeit.

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